Value-Chain-Cap: Was er schützt – und was NICHT (EcoVadis, Scope 3, Banken bleiben außen vor)
*Update 05.08.2026:* Der Value-Chain-Cap ist seit dem 3. Juli 2026 kein Entwurf mehr, sondern rechtlich verankert – die EU-Kommission hat den VS 2026 an…


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Update 05.08.2026: Der Value-Chain-Cap ist seit dem 3. Juli 2026 kein Entwurf mehr, sondern rechtlich verankert – die EU-Kommission hat den VS 2026 an diesem Tag als delegierten Rechtsakt angenommen.
Kaum ein Begriff sorgt gerade für so viel Verwirrung wie der „Value-Chain-Cap". Viele Zulieferer hoffen, er nehme ihnen den Datendruck ihrer Großkunden komplett ab. Die ehrliche Antwort: Er schließt genau einen Kanal – und lässt die meisten anderen offen.
Was der Value-Chain-Cap konkret regelt
Der Value-Chain-Cap besagt: Ein CSRD-berichtspflichtiges Großunternehmen darf von einem Zulieferer mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden nicht mehr Nachhaltigkeitsdaten verlangen, als im VS-Standard (ehemals VSME) enthalten ist – aber nur, wenn die Anfrage der eigenen gesetzlichen CSRD-Berichterstattung des Großkunden dient.
Der Cap wurde im Rahmen des EU-Omnibus-Pakets als Prinzip vereinbart und ist mit der Annahme des VS 2026 durch die EU-Kommission am 3. Juli 2026 als delegierter Rechtsakt rechtlich verankert – kein bloßes politisches Vorhaben mehr. Die Modulstruktur des bisherigen VSME bleibt weitgehend erhalten (rund 180 von 200 Datenpunkten), neu ist unter anderem eine eigene, schlankere Regelung für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden.
Was NICHT unter den Cap fällt
Das ist der entscheidende Teil, der in den meisten Darstellungen fehlt. Ausdrücklich nicht erfasst sind:
Kanal | Vom Cap erfasst? |
|---|---|
Rein CSRD-bezogene Berichtsanfrage eines Großkunden an dich | ✅ Ja, gedeckelt auf VS-Umfang |
EcoVadis und andere ESG-Ratings | ❌ Nein |
Vertragliche/freiwillige Fragebögen des Einkaufs | ❌ Nein |
Bankanfragen | ❌ Nein |
Anforderungen aus Lieferketten-Sorgfaltspflichten (CSDDD/LkSG) | ❌ Nein |
EU-Taxonomie-Anfragen | ❌ Nein |
„Branchenüblich" ausgetauschte Daten | ❌ Nein |
Scope-3- und bestimmte Klimadaten (C3/C4) | ❌ Nein |
Kurz gesagt: Der Cap deckelt genau eine Art von Anfrage – die, die direkt der gesetzlichen CSRD-Berichterstattung eines Großkunden dient. EcoVadis, freiwillige Fragebögen, Bankanfragen und Scope-3-Daten bleiben davon komplett unberührt.
Der Zeitplan im Überblick
März 2026: Omnibus-I-Richtlinie tritt in Kraft, neue CSRD-Schwellenwerte (>1.000 Mitarbeitende und >450 Mio. € Umsatz, kumulativ) gelten.
Bis 3. Juni 2026: Öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu überarbeiteten ESRS und zum VS.
6. Mai 2026: Entwurf des VS 2026 veröffentlicht.
3. Juli 2026 – bereits erfolgt: Die EU-Kommission nimmt den VS 2026 als delegierten Rechtsakt an. Der Value-Chain-Cap ist damit rechtlich verankert.
Als Nächstes: Der Rechtsakt durchläuft das reguläre Prüfverfahren von Parlament und Rat, bevor er formal in Kraft tritt – das genaue Anwendungsdatum lohnt sich vor Veröffentlichung im EU-Amtsblatt zu prüfen, da es sich noch verschieben kann.
Der Cap ist damit kein bloß politisch vereinbartes Prinzip mehr, sondern ein angenommener Rechtsakt – deutlich verbindlicher als noch im Frühsommer 2026. Das ändert aber nichts an der Kernbotschaft dieses Artikels: Er deckelt weiterhin nur einen einzigen Kanal.
Ein Beispiel zur Einordnung
Ein Zulieferer mit 300 Mitarbeitenden beliefert einen CSRD-pflichtigen Großkonzern. Der Konzern fordert im selben Jahr: (1) Daten für seinen eigenen CSRD-Bericht, (2) eine EcoVadis-Bewertung als Einkaufskriterium, (3) Scope-3-Daten für seine Klimabilanz. Nach Anwendung des Caps ab 2027 wäre nur Anfrage (1) auf den VS-Umfang gedeckelt. Anfrage (2) und (3) blieben davon komplett unberührt – der Zulieferer müsste weiterhin den vollen Umfang liefern, den EcoVadis bzw. die Scope-3-Methodik des Konzerns verlangt.
Warum die Botschaft „der Cap schützt dich" irreführend ist
Der Cap stopft ein einzelnes Loch – die großen Kanäle, über die real der meiste Datendruck entsteht, bleiben offen. Wer sich auf den Cap verlässt, um Datenanfragen pauschal abzuwehren, wird bei der nächsten EcoVadis-Bewertung oder Bankanfrage trotzdem ohne Datenbasis dastehen. Die realistischere Lesart: Der Cap ist eine punktuelle Entlastung, kein genereller Schutzschild – und genau deshalb bleibt eine belastbare, eigene Datenbasis notwendig.
Was das für deine Praxis bedeutet
Statt zu prüfen, ob eine konkrete Anfrage „unter den Cap fällt", lohnt sich die pragmatischere Frage: Woher kommt die Anfrage, und welche Daten braucht sie wirklich? In den meisten Fällen – EcoVadis, freiwilliger Fragebogen, Bank, Scope 3 – hilft der Cap ohnehin nicht, und die einzig sinnvolle Vorbereitung ist eine strukturierte, wiederverwendbare Datenbasis. (Wie du sie aufbaust: Dein Kunde fordert plötzlich Nachhaltigkeitsdaten?.)
Wie strait dich unabhängig vom Cap vorbereitet
strait erfasst deine Energie- und Betriebsdaten laufend über IoT-Sensorik – unabhängig davon, über welchen Kanal die nächste Anfrage kommt. Ob EcoVadis, Bankgespräch, freiwilliger Kundenfragebogen oder VS-Bericht: Die Datenbasis ist dieselbe, nur die Aufbereitung unterscheidet sich. Das macht dich vom Ausgang der Cap-Diskussion unabhängig.
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Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Value-Chain-Cap? Eine EU-Regelung, die CSRD-berichtspflichtige Großunternehmen darauf beschränkt, von Zulieferern mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden nicht mehr Daten zu verlangen als im VS-Standard enthalten – aber nur für Anfragen, die der eigenen CSRD-Berichterstattung dienen.
Schützt der Value-Chain-Cap vor EcoVadis-Anfragen? Nein. EcoVadis ist eine private, kommerzielle Bewertungsplattform und fällt nicht unter den Cap. Kunden dürfen sie unabhängig davon weiterhin verlangen.
Gilt der Value-Chain-Cap auch für Bankanfragen? Nein. Bankanfragen sind ausdrücklich nicht vom Cap erfasst.
Ist der Value-Chain-Cap schon in Kraft? Die EU-Kommission hat den zugrunde liegenden VS 2026 am 3. Juli 2026 als delegierten Rechtsakt angenommen. Der Cap ist damit rechtlich verankert, das genaue formale Inkrafttreten und Anwendungsdatum sollte vor konkreten Rechtsauskünften im aktuellen EU-Amtsblatt geprüft werden.
Fallen Scope-3-Datenanfragen unter den Value-Chain-Cap? Nein, Scope-3- und bestimmte Klimadaten sind ausdrücklich vom Cap ausgenommen.
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